Schlaganfall – Vorbeugen und schnell behandeln

Deutschlandfunk-Sprechstunde mit Prof. Dr. Waltraud Pfeilschifter – auch SHV-FORUM GEHIRN im Gespräch

Wie erkennt man einen Schlaganfall? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es heute? Und was kann jeder Einzelne tun, um sein persönliches Risiko zu verringern? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Deutschlandfunk-Sendung Sprechstunde vom 22. September 2026.

Moderatorin Christina Sartori sprach mit Prof. Dr. Waltraud Pfeilschifter, Chefärztin der Neurologie am Klinikum Lüneburg und Präsidentin der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute

Prof. Pfeilschifter erläuterte, dass jährlich rund 250.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall erleiden. Etwa 80 Prozent entstehen durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn, rund 20 Prozent durch eine Hirnblutung.

Zu den typischen Warnzeichen gehören plötzlich auftretende Sprachstörungen, halbseitige Lähmungen, ein herabhängender Mundwinkel oder Sehstörungen. Auch starker Schwindel und Koordinationsprobleme können auf einen Schlaganfall hinweisen.

Zur schnellen Erkennung dient der FAST-Test (Face – Arm – Speech – Time). Bei Verdacht muss unverzüglich die Notrufnummer 112 gewählt werden.

Die Behandlung erfolgt möglichst auf einer spezialisierten Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke Unit. Dort kann bei einem Gefäßverschluss das Blutgerinnsel unter bestimmten Voraussetzungen medikamentös aufgelöst oder mittels Katheter entfernt werden. Entscheidend sind dabei die Zeit seit Symptombeginn und die Ergebnisse der bildgebenden Untersuchungen.

Vorbeugung: Viele Risikofaktoren sind beeinflussbar

Besonders ausführlich ging die Neurologin auf die Möglichkeiten der Schlaganfallprävention ein.

Bluthochdruck bezeichnete sie als wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor. Deshalb empfahl sie, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren und erhöhte Werte ärztlich abklären zu lassen.

Weitere wichtige Maßnahmen sind regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen sowie die Kontrolle der Blutfettwerte, insbesondere des LDL-Cholesterins. Auch ausreichender Schlaf, psychische Gesundheit und der Umgang mit Stress spielen eine Rolle.

Prof. Pfeilschifter verwies auf Untersuchungen, nach denen ein sehr großer Anteil des Schlaganfallrisikos durch beeinflussbare Faktoren mitbestimmt wird.

Gute Akutversorgung – aber Probleme nach der Rehabilitation

Deutschland verfügt nach Angaben der Neurologin über mehr als 350 spezialisierte Stroke Units. Bereits in den ersten Stunden nach einem Schlaganfall können dort neben der medizinischen Behandlung auch therapeutische Maßnahmen beginnen.

Schwieriger wird die Situation häufig nach der Entlassung aus Krankenhaus und Rehabilitation. Während dort eingespielte Behandlungsteams zusammenarbeiten, müssen Betroffene und Angehörige die weitere Versorgung zu Hause vielfach selbst organisieren.

Als wichtige Ansprechpartner nannte Prof. Pfeilschifter die Hausärzte. Schlaganfall-Lotsen könnten ebenfalls helfen, seien bislang jedoch nur in wenigen Regionen verfügbar.

Selbsthilfe und das Leben nach dem Schlaganfall

Zu diesem Themenbereich war auch Karl-Eugen Siegel vom Selbsthilfeverband SHV-FORUM GEHIRN e. V. eingeladen.

Aus seiner langjährigen Erfahrung als ehemaliger Angehöriger und seiner eigenen Betroffenheit berichtete er über die Bedeutung persönlicher Selbsthilfe, die häufig unsichtbaren Folgen eines Schlaganfalls und die Herausforderungen im Zusammenleben von Betroffenen und Angehörigen.

Besonders machte er darauf aufmerksam, dass schwerstbetroffene Menschen mit dauerhaftem Pflegebedarf und ihre Angehörigen im öffentlichen Leben kaum sichtbar sind und deshalb leider auch politisch übersehen werden.

Einen ausführlichen Bericht über das Interview und die Arbeit des Selbsthilfeverbandes finden Sie auf unserer Landesverbandsseite:

SHV-FORUM GEHIRN – Landesverband Baden-Württemberg