Milliardenverluste bei Krankenkassen: Für riskante Finanzgeschäfte ist Geld da, für Schwerstpflegebedürftige nicht?

Stellungnahme des SHV-FORUM GEHIRN e.V.

Mit großer Fassungslosigkeit und Empörung blickt der Bundesverband SHV-FORUM GEHIRN e.V. auf die jüngst bekannt gewordenen Dimensionen riskanter Immobilien- und Fondsinvestments gesetzlicher Krankenkassen. Bis zu 1,1 Milliarden Euro an Versichertengeldern stehen allein bei den bundesweiten Kassen im Feuer; bezieht man Landeskassen und Ärztevereinigungen ein, droht dem Gesundheitswesen ein Gesamtschaden von bis zu 1,6 Milliarden Euro.

Für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und ihre Angehörigen ist diese Nachricht ein bitterer Schlag ins Gesicht. Tagtäglich erleben die von uns vertretenen Familien, mit welcher Härte und bürokratischen Kälte Krankenkassen lebensnotwendige Leistungen verweigern oder verzögern:

  • Lebenswichtige Hilfsmittel – von spezialisierten Rollstühlen über Kommunikationshilfen bis hin zu Stehständern – werden monatelang zerredet, über MDK-Gutachten verschleppt oder schlichtweg abgelehnt.
  • Häusliche Krankenpflege und Intensivversorgung werden zunehmend gekürzt, Budgets gedeckelt und pflegende Angehörige bis zur völligen physischen und psychischen Erschöpfung allein gelassen.
  • Teilhabe und Rehabilitation scheitern allzu oft an formalen Kostengründen.

Hier offenbart sich eine unerträgliche Doppelmoral: Während Vorstände und Finanzabteilungen Beitragsgelder in hochspekulative Finanzvehikel und Baubonds lenkten, wird am Krankenbett der Cent umgedreht. Jeder abgelehnte Rollstuhl und jede gestrichene Therapiestunde wiegt angesichts dieser Zahlen doppelt schwer.

Der SHV-FORUM GEHIRN e.V. fordert die Politik und die Aufsichtsbehörden zu einer lückenlosen juristischen Aufarbeitung und klaren Konsequenzen auf. Vor allem aber fordern wir eine Rückbesinnung auf den gesetzlichen Kernauftrag der Kassen: Krankenkassenbeiträge sind keine Spielmasse für den Kapitalmarkt, sondern ein Solidarfonds zur bedarfsgerechten und würdevollen Versorgung der Schwächsten in unserer Gesellschaft!